Die Diagnose Krebs ist für Betroffene eine grosse körperliche und seelische Belastung. Eine integrative onkologische Behandlung mit Phytotherapie kann die Lebensqualität verbessern. In der Schweiz bieten viele onkologische Zentren eine ganzheitliche Therapie an, bei der auch weitere komplementärmedizinische Methoden eingesetzt werden.
- Die integrative Onkologie basiert auf wissenschaftlich geprüften Methoden und orientiert sich an den Bedürfnissen der Erkrankten
- Neben pflanzlichen Arzneimitteln können den Patientinnen und Patienten auch Atemtherapie, Kunsttherapien und weitere Methoden helfen
- Der integrative Ansatz verbreitet sich immer weiter in Spitälern und Kliniken
Wenn das Leben aus dem Gleichgewicht gerät
Eine Krebsdiagnose trifft Betroffene meist unvermittelt. Von einem Tag auf den anderen gerät das Leben aus dem Gleichgewicht. Chemotherapien oder Bestrahlungen führen häufig zu Übelkeit, Erschöpfung und anderen Nebenwirkungen. Gleichzeitig reagieren viele Betroffene mit Stress, Ängsten oder Schlafstörungen auf diese Ausnahmesituation.
Integrative Onkologie: Multimodale Unterstützung bei Krebs
Hier setzt die integrative Krebstherapie an. Sie orientiert sich eng an den Bedürfnissen der Erkrankten und stützt sich auf wissenschaftlich geprüfte Methoden. Dabei kombiniert sie Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen, Atemtherapie oder Kunsttherapie mit pflanzlichen, anthroposophischen oder naturheilkundlichen Heilmitteln sowie mit Veränderungen im Lebensstil und ergänzt so die klassische Krebstherapie. In der Schweiz bieten über 20 onkologische Zentren entsprechende Programme an; sie sind im Schweizerischen Netzwerk für Integrative Onkologie (SNIO) organisiert.
«Die integrative Onkologie kann Symptome wie Schmerz, Angst, Depression, Fatigue und Schlafstörungen reduzieren und verbessert erwiesenermassen die Lebensqualität.»
Dr. med. Marc Schlaeppi, Präsident SNIO
Dr. med. Marc Schlaeppi, Präsident des SNIO und Leiter des Zentrums für Integrative Medizin des Spitalverbunds HOCH (Health Ostschweiz), sagt: «Die integrative Onkologie kann Symptome wie Schmerz, Angst, Depression, Fatigue und Schlafstörungen reduzieren und verbessert erwiesenermassen die Lebensqualität.»
Pflanzenpower ist vielseitig nutzbar
Eine zentrale Rolle in der integrativen Krebsheilkunde nehmen pflanzliche Arzneimittel ein. Sie werden für die Behandlung von Beschwerden und Erkrankungen eingesetzt und vielfach von der Grundversicherung übernommen. Die Präparate lindern therapiebedingte Nebenwirkungen und unterstützen Patientinnen und Patienten zudem seelisch, auch in palliativen Situationen. Die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP) hat ihre Jahrestagung 2025 diesem Themenfeld gewidmet.
Die wohl bekannteste Form pflanzlicher Therapien sind Präparate, die oral eingenommen werden. So werden Präparate mit Traubensilberkerzenrhizom zur Reduktion von Hitzewallungen eingesetzt, die unter einer Anti-Hormontherapie im Rahmen der Brustkrebsbehandlung auftreten können. Auch ein Salbeiextrakt kann Hitzewallungen lindern, die als Nebenwirkung solcher Anti-Hormontherapien bei Prostata- oder Brustkrebs vorkommen können.
Die Mistel – eine bewährte Arzneipflanze

Zu den am besten erforschten Arzneipflanzen in der integrativen Onkologie gehört die Mistel. Sie wächst auf einem Wirtsbaum und nimmt dabei auch einen Teil seiner Inhaltsstoffe auf. Die Misteltherapie, die auf Rudolf Steiner und Ita Wegmann zurückgeht, verwendet Misteln von 13 verschiedenen Baumarten. Die Präparate können auf unterschiedliche Weise angewendet werden.
Am häufigsten werden sie subkutan injiziert, wobei die Patientinnen und Patienten die Injektionen oft selbst zu Hause durchführen. «Mistelpräparate stärken das Immunsystem und können die Lebensqualität verbessern, insbesondere, wenn sie parallel zu einer Chemotherapie eingesetzt werden», sagt Prof. Dr. Roman Huber vom Uni-Zentrum Naturheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg im Breisgau.
Wickel, Kompressen und Fussbäder

Eine wiederentdeckte Tradition sind äussere Anwendungen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, diese auf Krebs-Betroffene und ihre individuellen therapeutischen Bedürfnisse abzustimmen. «Leberwickel mit Schafgarbentee fördern die Verdauung und können Regeneration und Vitalität unterstützen. Sie bieten somit eine Option, der bei Krebsbetroffenen häufig auftretenden Erschöpfung – medizinisch als Fatigue bezeichnet – entgegenzuwirken», sagt Dr. med. Jana Ertl vom Institut für Komplementäre und Integrative Medizin der Universität Bern IKIM.
«Leberwickel mit Schafgarbentee fördern die Verdauung und können Regeneration und Vitalität unterstützen.»
Dr. med. Jana Ertl, Universität Bern
Weitere bewährte äussere Anwendungen sind Kompressen, Auflagen und Fussbäder. Fussbäder mit Senf- oder Ingwerpulver wärmen und stimulieren die Haut, erzeugen ein anhaltendes Wärmegefühl und können das häufige Kälteempfinden bei Krebspatientinnen und -patienten lindern.
Integrative Medizin verbreitet sich immer weiter an Spitälern und in Kliniken

Pflanzliche Arzneimittel und weitere komplementärmedizinische Methoden wie Atemtherapie oder Kunsttherapie werden nicht nur in der Onkologie immer verbreiterter eingesetzt. Im Verein integrative-kliniken.ch sind Kliniken und Spitäler organisiert, die grundsätzlich Komplementärmedizin und Schulmedizin verbinden und in beiden Systemen höchste qualitative Ansprüche erfüllen.
An einem vom Verein organisierten Netzwerkanlass am 21. Mai 2026 zeigte unter anderem das Beispiel der Klinik Hirslanden Zürich, wie das in der Praxis geht: Seit 2023 führt die Klinikleitung in Zusammenarbeit mit der JIVITA AG, die auf integrative Medizin spezialisiert ist, nach und nach auf allen Stationen mit insgesamt 335 Betten ein ganzheitliches Behandlungskonzept ein. Die Klinik wurde im Dezember 2024 als erstes Spital im Grossraum Zürich mit dem Label «Integrative Kliniken» für das Fachgebiet Allgemeine Innere Medizin ausgezeichnet. ➔ Eindrücke vom Netzwerkanlass in Bildern
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Bilder: Joseph Corl – unsplash.com / Chris Fry – unsplash.com / zVg – Kantonsspital St. Gallen / Miriam Kolman – mk photography
Arzneipflanzen können bei Krebserkrankungen körperlich und seelisch unterstützen. Haben Sie Erfahrungen dazu gemacht, die Sie gerne mit den anderen Millefolia-Leserinnen und -lesern teilen möchten?
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