Verordnet wie Physiotherapie, abgerechnet wie Homöopathie: Die medizinische Massage bewegt sich zwischen zwei Welten und verbindet Schul- und Komplementärmedizin. Sina Saurenmann vom Medbase Sports Medical Center Winterthur erklärt, wie das im Alltag funktioniert – und warum diese Verbindung eher Stärke als Widerspruch ist.
- Anders als die Wohlfühlmassage im Spa setzt die medizinische Massage gezielt bei diagnostizierten Beschwerden an
- Die Medizinische Massage verbindet Schul- und Komplementärmedizin
- Forschungen zeigen, dass die Medizinische Massage Schmerzen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern kann
Ein verspannter Nacken nach Stunden am Bildschirm, ein Wadenmuskel, der nach dem Halbmarathon streikt: Für viele ist die medizinische Massage die erste Anlaufstelle bei Beschwerden am Bewegungsapparat. Kein Wunder, denn sie verbindet zwei Welten, die selten im selben Satz genannt werden: Schulmedizin und Komplementärmedizin. Anders als die Wohlfühlmassage im Spa setzt die medizinische Massage gezielt bei diagnostizierten Beschwerden an. Der Fachverband SVMM listet sieben anerkannte Techniken auf, von der klassischen Massage über Bindegewebsmassage bis zur manuellen Lymphdrainage.
Medizinische Massage oder Wellnessmassage: der Unterschied
Die Ausbildung zur/zum Medizinische:n Masseur:in EFA beinhaltet sowohl schulmedizinische Grundlagen als auch komplementäre Behandlungsmethoden. «Dies sind beste Voraussetzungen, um Ansätze aus beiden Bereichen gezielt anwenden und verbinden zu können», sagt Sina Saurenmann. Sie ist medizinische Masseurin EFA und arbeitet im Medbase Sports Medical Center Winterthur WIN4. In der Ausbildung habe sie gelernt, welche Methoden sich für welche Beschwerdebilder eigneten. «Da wir in der Massage zudem sehr nahe am Menschen arbeiten, lernen wir die Patientinnen und Patienten und ihre Bedürfnisse gut kennen. Dies ermöglicht uns, Behandlungen gezielt auf die jeweilige Situation abzustimmen und individuelle Therapiepläne zu erstellen.»
«Wir sehen die medizinische Massage als verbindendes Element zwischen schulmedizinischen und komplementärmedizinischen Therapieformen.»
Zur Person
Sina Saurenmann ist medizinische Masseurin EFA und arbeitet im Medbase Sports Medical Center Winterthur.

Saurenmann sieht die medizinische Massage als verbindendes Element zwischen der Schulmedizin und der Komplementärmedizin. Am Medbase Sports Medical Center verfolgt man denn auch einen integrativen Ansatz. Die medizinische Massage ergänzt hier insbesondere die Arbeit der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, die aktiv mit den Patientinnen und Patienten arbeiten. «Bei uns wird sie aber auch oft direkt von Privatpersonen gebucht, die eine etwas intensivere, nachhaltig erleichternde Massage suchen», sagt Saurenmann. Am häufigsten gehe es dabei um Rücken und Nackenbeschwerden. Bei Sportlerinnen und Sportlern wiederum seien es oft überlastungsbedingte Beschwerden und Verletzungen. «Durch gezielte medizinische Massagen können wir den Heilungsprozess unterstützen und die Regeneration fördern», so die Fachfrau.
Medizinische Massage: Das sagt die Forschung
Was Praktikerinnen wie Saurenmann aus dem Alltag kennen, deckt sich mit der Studienlage. Eine Metaanalyse mit 88 Studien und über 5500 Teilnehmenden zeigt, dass manuelle Therapie Schmerzen spürbar lindern sowie Blutdruck und Herzfrequenz senken kann. Auch mit Fokus auf den Sport bestätigt die Forschung die Erfahrungen aus der Praxis. Laut einer Übersichtsarbeit mit rund 3000 Athletinnen und Athleten kann die medizinische Massage Schmerzen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern. Darüber hinaus wirke sie besonders gut gegen Muskelkater 48 bis 72 Stunden nach der Belastung, so die Autorinnen und Autoren der Studie.
«Durch gezielte medizinische Massagen können wir den Heilungsprozess unterstützen und die Regeneration fördern.»
Es scheint, als sei dieses Wissen um die Vorteile auch in der Gesellschaft angekommen. «Das Bewusstsein für die eigene Gesundheit und dafür, dem Körper Sorge zu tragen, ist deutlich gewachsen. Die Bedeutung der medizinischen Massage hat aus meiner Sicht in den letzten Jahren zugenommen», sagt Saurenmann. Für viele Patientinnen und Patienten sei sie mittlerweile gar eine der ersten Anlaufstellen bei Beschwerden am Bewegungsapparat. «Betroffene erkennen, dass medizinische Massage nicht nur Symptome bekämpft, sondern gezielt an den Ursachen der Beschwerden ansetzt.»
Medizinische Massage: Was zahlt die Krankenkasse??
Als eigenständige Behandlung zahlt die obligatorische Grundversicherung eine medizinische oder klassische Massage in der Schweiz nicht. Steckt sie jedoch als integraler Bestandteil in einer ärztlich verordneten Physiotherapie, übernimmt die Grundversicherung die Kosten mit. Der Verband der Medizinischen Masseure Schweiz hat auf seiner Website in einem Merkblatt festgehalten, wie man bei der Abrechnung vorgeht:
- Schritt: Rechnung im Doppel vom Therapeuten oder der Therapeutin verlangen. Das Original zeitnah bei der Zusatzversicherung einreichen, wenn vorhanden zusammen mit der Arztverordnung.
- Schritt: Rechnung mit dem beiliegenden Einzahlungsschein bezahlen.
- Schritt: Rückerstattung der Krankenkasse kontrollieren. Sie erfolgt anteilsmässig oder vollständig, je nach Versicherungsmodell.
Quelle: Schweizerischer Verband Medizinische Massage
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Bilder: Jakub Kluckỳ/Unsplash, zVg
Das sollten Sie wissen:
- Die medizinische Massage verbindet Schul- und Komplementärmedizin und hilft bei Beschwerden am Bewegungsapparat.
- Studien zeigen, dass manuelle Therapie Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann.
- Das Bewusstsein für die Vorteile medizinischer Massagen ist in der Gesellschaft gewachsen, und sie werden oft als erste Anlaufstelle genutzt.
- Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für medizinische Massagen nur, wenn sie Teil einer verordneten Physiotherapie sind.






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