Stille Entzündungen – der leise Feind in uns

Kein Fieber, keine Rötung, kein Alarm, und doch schwelt im Körper etwas. Stille Entzündungen – der leise Feind in uns – beschäftigen auch Christoph Kalbermatten und Dr. Simon Feldhaus, die über stille Entzündungen sprechen und was Heilpflanzen dagegen ausrichten können.

  • Stille Entzündungen bleiben oft jahrelang unbemerkt und begünstigen ernsthafte Krankheiten
  • Psyche und Körper hängen enger zusammen, als viele denken, Stress zählt bei stillen Entzündungen zu den grössten Treibern
  • Heilpflanzen können den Körper bei der Selbstregulation unterstützen, ersetzen aber keine fachliche Abklärung

von Désirée Klarer

Sie schleicht sich in den Alltag, nicht in die Notaufnahme: die bleierne Müdigkeit trotz genug Schlaf, der Bauch, der sich einfach nicht entspannt, das Gehirn, das am Nachmittag streikt. Kein Fieber, keine Rötung, kein Signal, das laut genug wäre. Genau das macht die stille Entzündung so tückisch.

Wenn Entzündung leise ist

Zum Vergleich: Rötung, Schwellung, Schmerz, Hitze – eine akute Entzündung meldet sich unmissverständlich und klingt bald wieder ab. Bei der stillen Entzündung – auch «Silent Inflammation» genannt – bleibt das Immunsystem dauerhaft leicht aktiviert, ohne akutes Warnsignal. Symptome sind unter anderem eine bleierne Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden oder eine erhöhte Infektanfälligkeit. Mitverantwortlich für stille Entzündungen ist oft das Fettgewebe selbst: Es ist hormonell aktiv und setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei.

«Wir werden an Seminaren oder Messen häufig auf Hilfestellung bei Müdigkeit, Stress, Burnout oder Schlaflosigkeit angesprochen.»

Christoph Kalbermatten, Geschäftsführer Ceres Heilmittel AG, Co-Präsident SVKH

Am Beispiel der Arteriosklerose zeigt sich das konkret: Die Berner Forscherin Yvonne Döring, ausgezeichnet mit dem Forschungspreis 2024 der Schweizerischen Herzstiftung, zeigte, wie Chemokine genannte Botenstoffe Entzündungen in der Gefässwand antreiben und Ablagerungen begünstigen, die zu Herzinfarkt, Hirnschlag oder vaskulärer Demenz führen können. Auch Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Hashimoto, eine chronische Entzündung der Schilddrüse, gelten als mitausgelöst.

Wirkung braucht Zeit

Wer diesen Prozessen nicht tatenlos zusehen will, kann früh gegensteuern, etwa mit Mitteln der Phytotherapie. «Es ist jedoch zu beachten, dass es verschiedene Zubereitungsformen gibt, also zum Beispiel Tropfen, Tabletten oder Tee. Es ist darum wichtig, dass eine entsprechend ausgebildete Fachperson die phytotherapeutische Behandlung einleitet», so Dr. Simon Feldhaus von der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP). Dies ist auch in Hinblick auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wichtig. «Doch wenn Phytotherapie fachkundig angewendet wird, gehört sie zu den Behandlungsformen mit dem niedrigsten Potential für Nebenwirkungen», betont Feldhaus. In Zusammenhang mit stillen Entzündungen am besten untersucht seien Kurkuma, Weihrauch, Teufelskralle und Ingwer. Zusätzlich empfiehlt die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP) auch noch Beifuss, Brennnessel, Weidenrinde und Johanniskraut.

Zu den Personen

Was Pflanzen im Körper anstossen

Wer nun glaubt, einfach etwas von allem einnehmen zu können und dann unverzüglich Besserung zu verspüren, irrt. «Meist steckt in einer Pflanze ein ganzes Bündel an Substanzen, die zusammenspielen – man spricht auch von einem pleiotropen Effekt», so Feldhaus. Der Vorteil: Sie wirken gleichzeitig an mehreren Stellen im Körper und haben, wie bereits oben beschrieben, meist wenig Nebenwirkungen. Der Nachteil: Eine akute, sofortige Wirkung darf man von ihnen nicht erwarten. «Deshalb braucht eine pflanzliche Behandlung Zeit. Rechnen Sie mit drei bis vier Wochen, bevor sich beurteilen lässt, ob die Behandlung anschlägt.»

«Eine pflanzliche Behandlung braucht Zeit. Rechnen Sie mit drei bis vier Wochen, bevor sich beurteilen lässt, ob die Behandlung anschlägt.»

Dr. Simon Feldhaus, Facharzt für Allgemeinmedizin, Phytotherapie SMGP

Diese Sicht teilt auch Christoph Kalbermatten, Geschäftsführer der Ceres Heilmittel AG. «Heilpflanzen wirken selten wie ein Schalter, der Entzündung einfach abstellt. Sie können im Körper Prozesse der Selbstregulation anstossen, die zu einem wiederhergestellten Gleichgewicht führen.» Direkter an Entzündungsprozessen setzen gemäss Kalbermatten etwa Mädesüss, Schwarze Johannisbeere oder Brennnessel an. «Sie werden oft bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt», sagt Kalbermatten.

Wenn die Welt zu viel wird

Einer der Faktoren, die für die stillen Entzündungen verantwortlich zeichnen, ist die Psyche. Es gibt viele Studien, die nahelegen, dass chronisch erhöhte Entzündungswerte mit Rückzug, Angst und verändertem Sozialverhalten in wechselseitiger Beziehung stehen. «Wir werden an Seminaren oder Messen häufig auf Hilfestellung bei Müdigkeit, Stress, Burnout oder Schlaflosigkeit angesprochen.» Die Anfragen in Zusammenhang mit Themen wie Nerven, Resilienz, Ängsten und Hypersensibilität seien zudem gestiegen. «Das zeigt sich sowohl an den Anfragen auf unserer therapeutischen Hotline als auch an den Teilnehmerzahlen an Schulungen», sagt er. Die Phytotherapie könne auch hier Unterstützung bieten. Kalbermatten zählt auf: «Johanniskraut bei Depression, Lavendel bei Ängsten, Passionsblume bei Sorgen oder auch Hafer bei Stress können gute Begleiter sein.»

Sich nur auf die Phytotherapie zu verlassen, ist hingegen keine gute Idee. Im Sinne der Gesunderhaltung gilt es, Stress so weit wie möglich zu reduzieren und den eigenen Lebensstil zu überdenken. Regelmässige Bewegung und eine ausgewogene, gesunde Ernährung, genügend Schlaf – all diese Faktoren helfen dabei, das Immunsystem zu stärken und so den stillen Entzündungen etwas entgegenzuhalten.


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Das sollten Sie wissen:

  • Stille Entzündungen sind oft unbemerkt und können ernsthafte Krankheiten begünstigen.
  • Stress und Psychologie spielen eine wichtige Rolle bei stillen Entzündungen, da sie die Immunantwort beeinflussen.
  • Heilpflanzen unterstützen den Körper bei der Selbstregulation, ersetzen jedoch keine fachliche Abklärung.
  • Kurkuma, Weihrauch und Ingwer sind besonders wirksam gegen stille Entzündungen und benötigen Zeit zur Wirkung.
  • Ein gesunder Lebensstil, inklusive Bewegung und Ernährung, ist entscheidend zur Bekämpfung stiller Entzündungen.

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